Mittelschulenberg Titel
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Diese Seite beschäftigt sich mit dem Mittelschulenberger Bergbaurevier. Anlaß war ein Besuch dort im Sommer 2019. Wie hier der Juliane-Sophier Graben von Forst-Vandalen zugerichtet worden ist, war erschreckend. Es ist ja nicht das erste mal, daß der UNESCO Welterbe-Status keinerlei Wirkung hat, und der Schutz wirtschaftlichen Interessen untergeordnet wird. Versprechungen aus der Vergangenheit auf eine Besserung haben sich hier wieder einmal als leere Versprechungen herausgestellt.
Die Lage der beschriebenen Objekte ist meine Interpretation aus der Literatur. Manches ist dort eindeutig, anderes widersprüchlich.
Übersichtskarte
Mouseover: der Ausschnitt aus der Gangkarte von Borchers12 (1865) hat diese Legende:
22 Schulenberger Stollen Mundloch; 23 Schulenberger Hauptgang; 24 Julianer Schachtgang; 25 Ablaufendes edles Trumm, 26 Schulenbergsglücker oder August Wilhelmer Gang

(Die Karte zum leichteren Verständnis des folgenden Textes in einem kleinen separaten Fenster.)

Die Landstraße 517 wurde im Bereich der Okertalsperre vom Talgrund nach oben verlegt. Die alte Straße mit dem Abzweig zur Grube Juliane Sophie und der Brücke taucht bei Niedrigwasser auf. Die letzten Jahre war die Okertalsperre nicht mehr bis hier oben gefüllt. Das Gebäude oberhalb der Nummer 22 bei Borchers gehört zur Neuen Mittelschulenberger Aufbereitung.
Zitat Oscar Hoppe 6 S. 279:
Gegenüber der Neuen Aufbereitungsanstalt bei Clausthal, welche zu den grossartigsten derartigen Anlagen zählt, kann die in derselben Berginspektion gelegenen, von Clausthal aus in 1 1/2 Stunden [Anm.: wahrsch. Fußmarsch ab "Amtshaus"] zu erreichenden Aufbereitungsanstalt der Grube Juliane Sophie bei Schulenberg als Muster für kleinere Anlagen dienen.
Zitat Ende
In dem Buch von Hoppe ist der Stammbaum dieser Aufbereitungsanstalt dargestellt und die Funktion ausführlich beschrieben. Fundamentreste sind bei Niedrigwasser erkennbar. Ein Teil ist bei der Verlegung der Landstraße verschwunden. Die heutige große Halde oberhalb der Straße ist auf der Karte von Borchers nicht eingezeichnet. Diese Halde gehört zur

(1) Grube Juliane Sophie (1776-1904), Teufe 400m.
Die Schachtöffnung tritt im Gelände nicht in Erscheinung. Zu Beginn 1776 wurde sogleich eine Wasserhebemaschine aufgebaut, die von einem Arbeiter gewartet wurde. 1795 wurde noch per Haspel aus 85 m Teufe gefördert und es waren bereits etliche ausgeerzte Abbaue vorhanden. 1881 wurden neue lohnende Erzanbrüche auf der 9. Strecke aufgeschlossen, die bis 1904 erschöpft waren. Die Grube wurde als letzte im Schulenberger Revier 1904 (je nach Quelle auch am 8.10.1903) stillgelegt. Der Betrieb (und wohl auch derjenige der Aufbereitung) lief bis zuletzt nur mit Wasserkraft. Von Dampfkraft/Elektroenergie ist mir nichts bekannt. Also CO2-neutral und damit nach heutigen Maßstäben energetisch vorbildlich. Das Schachtgebäude ist restlos entfernt. Aber es gibt von den Grubengebäuden und der Aufbereitung historische Photographien in einer Bilddatenbank. Dort als Suchbegriff "Mittelschulenberg" eingeben.
Chr. Zimmermann 11 beschreibt einige Mineralien aus der Juliane Sophie:
Bleischweif gab es hier am allerschönsten in derben, völlig von Bleiglanz freien Massen. Besonders schön kristallisierte Zinkblende. Kalkspat derb und kristallisiert. Fahlerz als Seltenheit in großen Tetraedern auf Amethyst-Kristallen. Bleiglanz vorzüglich mit Amethystquarz, schön kristallisiert in fast vollkommenen Oktaedern (damit sollen sich auch die Gruben Glücksrad und Gelbe Lilie in Oberschulenberg ausgezeichnet haben).

(2) Das frisch vergitterte Mundloch in der Weggabelung ist die Abfallrösche der Grube Juliane Sophie und nicht das ...

(3) ... Mundloch des Tiefen Schulenberger Stollens (TSS), der bereits vor 1600 begonnen wurde. Dieses befindet sich unterhalb der heutigen Landstraße und ist anhand des beständigen eisenhaltigen Wasseraustritts am Fuß der Böschung leicht zu finden.
Der Stollen diente der Wasserlösung und reichte vom Mittelschulenberger über das Oberschulenberger bis in das Festenburger Revier, wo 1730 die Grube Weißer Schwan erreicht wurde. Er enterbte hier den 60 m höher gelegenen Tiefen Festenburger Stollen. Nach 1760 ging es mit dem Bergbau in Festenburg und Oberschulenberg langsam zu Ende. 1780 wurde nach dem Brand des Glücksrader Schachtes, in dessen Folge das ganze Revier eingestellt werden musste, der Nachlese-Bergbau wieder aufgenommen.
Am 16.7.1795 wurde die Aufgabe des TSS beschlossen und er wurde nur noch bis einige Hundert Meter vom Mundloch entfernt notdürftig instandgehalten. Der Grund lag darin, das die bisher nicht angeschlossene Grube Juliane Sophie in Mittelschulenberg mit sehr schlechten Wettern zu kämpfen hatte und man sich durch eine Verbindung mit dem TSS eine Verbesserung erhoffte. Ende 1811 wurde begonnen ca. 365 m vom Mundloch aufwärts einen 83 m langen Querschlag zum Julianer Schacht aufzufahren. Es stellte sich alsbald heraus, daß die Wetter im Stollen ein durchgehendes Arbeiten unmöglich machten. Ein noch offener Schacht in Oberschulenberg und ein instandgehaltener Stollen bis dorthin wären da wohl hilfreich gewesen. Die 4 auf dem Querschlag angelegten Gedingehauer arbeiteten also fortan in 2 Schichten mit 4 Stunden Abstand dazwischen. Frühschicht war von 4 Uhr bis 12 Uhr, Spätschicht von 16 Uhr bis Mitternacht. In der Zeit dazwischen sollten sich die Pulverschwaden verziehen.
Bei den Arbeiten an diesem Querschlag kam es zu einem tragischen Unfall, den Friedrich Schell neben anderen Unfällen in seinem Büchlein "Die Unglücksfälle in den Oberharzischen Bergwerken" 8 ausführlich beschrieben hat. Hier die Kurzfassung davon:
Am 17. März 1812 kam es noch einmal zu einem heftigen Wintereinbruch mit starkem Schneefall. Durch den vielen Schnee, der auch von den Bäumen rutschte kam es im Julianer Graben immer wieder zu Wasserstauungen, wobei das Wasser auch über die Grabenbrust trat. Arbeiter der Grube Juliane Sophie, die auf ihr Betriebswasser nicht verzichten konnte (analog der Elektroenergie heute), waren den ganzen Tag bei sehr widrigen Wetterverhältnissen damit beschäftigt das Wasser im Graben am laufen zu halten. Abends vertraute man auf eine Wetterbesserung im Laufe der Nacht. Die trat aber nicht ein. Es kam zu einem Wasserstau kurz hinter (a). An der Stelle hatte man bereits früher einen Fehlschlag in die Grabenbrust eingebaut. Direkt darunter liegt eine Pinge.
Zitat Schell:
Was aber ungünstig erscheinen muß war der Umstand, daß die aus dem Fehlschlag kommenden Wasser geraden wegs in die Pinge strömten, sich durch die Gebirgsmassen niederseiheten und auf dem Stollen zum Abfluß gelangten. Vermuthlich wurde jener Fehlschlag nur selten benutzt, denn man würde die ganze Anlage als einen Mißgriff anzusehen haben, wenn an der Erhaltung des Stollens noch viel gelegen gewesen wäre, weil die im Schachte niedergehenden Wasser das rollige Gebirge nur schwerer machen mussten, wonach auch die auf dem Stollen eingebaute Zimmerung eine größere und bis zur Ungebühr gesteigerte Belastung erfuhr.
Zitat Ende
Nun seihte das aus der Ausflut hier übertretende Wasser durch den Schnee in die Pinge und durch die Bruchmassen nach unten. Die Verzimmerung ging zu Bruch und die Massen liefen in den TSS. Die Spätschicht der am Querschlag zum Julianer Schacht beschäftigten beiden Bergleute (Türk und Hundertmark) ahnte nichts davon, was Übertage vor sich ging. Als sie (vermutlich) das Grollen von Ferne hörten, war es zu spät: sie waren eingeschlossen. Bei Friedrich Schell heißt es, daß gegen Mitternacht Arbeiter anfuhren, um das beim Querschlagsbetrieb gewonnene Gebirge in einem alten Schacht zu versetzen. Das passt zwar nicht dazu, daß sich doch in den 4 Stunden bis zur Frühschicht die Wettter im TSS bessern sollten. Aber so steht es geschrieben. Sie fanden im Stollen viel Schlamm angehäuft, aber auffallend wenig Wasser, wo doch sonst reichlicher Wasserabfluss stattfand. Wahrscheinlich hatten sie keine Ahnung davon, daß hier 2 Hauer abgesperrt waren. Es genügte ihnen, zu wissen, daß sie die ihnen aufgetragene Arbeit vorläufig nicht ausführen konnten. Man begab sich deshalb nach dem Juliane Sophier Gaipel und legte sich dort (wohl am warmen Ofen?) zum Schlafen nieder. Von der Frühschicht war Gedinghäuer Koch als erster gegen 4 Uhr vor Ort. Er zweifelte nicht darüber, was geschehen war. Er wusste aber nicht, ob die beiden Spätschichtler noch vor dem Bruch ausgefahren sind. Zu allem Unglück war einer der beiden (Türk) der Mann seiner Tochter. Nachdem die Lage geklärt war ging es um die Frage: was tun? In 50 m Entfernung vom Bruch aufwärts liegt der Herzog August Wilhelmer Schacht mit Anschluß an den Stollen. Die Grube lag fast 60 Jahre still und der Schacht war schon längst vollständig mit Bergen verfüllt. Er konnte den Eingeschlossenen also nicht als Zufluchtsort vor dem steigenden Wasser hinter dem Bruch dienen. 40 weitere Meter aufwärts liegt der (Neue) Schulenbergsglücker Schacht. Diese Grube lag auch schon seit ca. 20 Jahren still. Der Schacht war im oberen Bereich verbühnt und man hatte erst in jüngster Zeit begonnen den Schacht vom Tage mit Bergen zu versetzen. Er war bereits ca. 8 m hoch versetzt.

Man entschied, mittels Getriebearbeit den Bruch zu durchfahren. Als äußerst hinderlich erwies sich hierbei die wassergesättigte Konsistenz der hereingebrochenen Massen. Wenn man einen Fortschritt gemacht zu haben meinte, rutschten diese Massen aus dem Lichtloch nach und man musste wieder von vorne beginnen. Nach 12 Stunden und kaum Fortschritt wurde die Mannschaft abgelöst. Über Nacht (vom 18. auf den 19.) zeigte sich ein neues Hindernis: die Wetter wurden durch den lebhaften Verkehr auf dem Stollen und der nötigen Beleuchtung erheblich schlechter. Als die Geleuchte mangels Sauerstoff verlöschten, mußte die Rettungsaktion vorerst abgebrochen werden. Selbst nach mehreren Stunden Wartezeit verlöschten die Lichter im Stollen bereits nach wenigen Metern vom Mundloch.


Getriebearbeit
Literaturbeispiel4 für ein Firstengetriebe

Um nicht untätig zu bleiben berechnete man wie schnell das Wasser hinter dem Bruch steigt. Im Ergebnis reichte das Wassser bereits jetzt nach 24 Stunden bis an den Ortsstoß im Querschlag. Dann berechnete man wie lange es dauern würde nun doch den Neuen Schulenbergsglücker Schacht (ohne die Wetterprobleme) zu öffnen: auch mit größten Anstrengungen mindestens 8 Tage. Man sah wegen der Aussichtlosigkeit von der Fortsetzung der Rettungsmaßnahmen ab und überließ die Eingeschlossenen ihrem Schicksal. Auch von einer Wiederaufmachung des Stollens sah man erst einmal ab. Das war erst 25 Jahre später wieder ein Thema, weil das aufgestaute Wasser durch Klüfte und Risse in die Julianer Baue eindrang. Um es kurz zu machen: die Leichen wurden nicht gefunden. Man fand eine Fahrt (bei Schell ist es eine Leiter) im Neuen Schulenbergsglücker Schacht stehen, eine Axt, eine völlig in Rost umgewandelte Holzsäge und vor Ort im Querschlag das Bohrgezähe. Die beiden hatten sich offensichtlich über die Fahrt im Neuen Schulenbergsglücker Schacht nach oben begeben. Man hat also dort nachgesehen. Im kurzen Schachtstoß fand sich ein Ort, der wohl einmal zu einem Firstenbau führte. Dort fand sich noch ein verfaulter leinerner Brotbeutel in dem ein halbgefülltes Schnapsglas steckte. Die Leichen von Türk und Hundertmark waren und sind heute noch in dem zu Bruch gegangenen Firstenbau begraben.

(4) Grube Herzog August Wilhelm (1703-1754; HAW), Teufe 125 m.
Die genaue Lage der Schachtes lässt sich im Gelände nicht feststellen. 1680 wurde einer Gewerkschaft mit gleichem Namen ein Feld in Zellerfeld kombiniert mit der Gewerkschaft Prophet Daniel verliehen. Evtl. unterhalb der Straße "Brauhausberg", also direkt im Ort. Von 1682 bis 1687 fanden dort Sucharbeiten, aber kein Abbau statt.
Der Vorgängerbetrieb hier in Mittelschulenberg war die Grube Kaiser Heinrich. Deren alter Schacht wurde vom HAW wieder aufgewältigt und mit 10 Arbeitern eine Radstube mit Kehrrad-Förderanlage aufgebaut. 1722 war auch ein Kunstrad mit Feldgestänge unten im Tal aufgebaut. Bis 1728 fand regulärer Betrieb statt. Das Erz war allerdings so minderwertig oder die Anbrüche so gering, daß man sich bis zum Ende 1754 auf Sucharbeiten beschränkte.

Auf der Karte, die Quensell13 1800 kopiert hat (rechts der hier interessierende wirklich kleine Ausschnitt daraus) ist noch alles vom HAW eingezeichnet. Die Karte ist nicht eingenordet und hat wie üblich zur Orientierung eine Kompassrose. Leider ist der Bereich etwas weiter nach Norden auf dieser Karte nicht dargestellt... .
Links unten das Mundloch des TSS. Er erreicht rechts den Gnade Gotteser Schacht oberhalb der heutigen scharfen Straßenkurve. Von dort talabwärts liegen das 2., 3. und 4. Pochwerk mit den zugehörigen Kraftwassergräben.


Karte von Quensell 1800
Der Graben vom HAW zur Gnade Gottes ist die Verlängerung des Riesenbacher Grabens. Jedenfalls weist ein Pfeil für die Fließrichtung talaufwärts. Der Juliane Sophier Graben zurück nach Mittelschulenberg fehlt hier ganz.

(5) Herzog-August-Wilhelm-Stollen, ein ca. 400 m langer Suchstollen auf dem Schulenberger Gang auf der anderen Talseite unten am Dietrichsberg. Bauzeit: 1728 bis 1754, also direkt nach dem der Grubenbetrieb bei (4) eingestellt war. 26 Jahre für 400 m. Hier wurden wohl mit Unterbrechungen ältere und/oder beschädigte Bergleute zur Arbeit angelegt, für die eine Arbeit im Tiefbau nicht mehr in Frage kam. Die Suche war jedenfalls erfolglos. 1903, als es mit der Grube Juliane Sophie zu Ende ging, hat man nachgeschaut ob hier nicht doch etwas lohnendes ansteht. Hat es aber nicht. Nicht weit entfernt vom Mundloch soll ein Lichtloch auf diesen Stollen gelegen haben.
Das Mundloch ist bei Borchers und nachfolgenden Autoren im Schreibertal, südlich der Brücke eingezeichnet. Vor Ort ist im Umkreis dieser Stelle wenig eindeutiges zu entdecken. Es gibt dafür 3 lockende Löcher am Hang unterhalb der Brücke. Das rechte davon soll nur ca. 20 m in den Berg führen, das mittlere ist wohl nur ein ausgemauerter kleiner Keller. Zur linken Öffnung ist mir nichts bekannt.

(6) Neues Schulenbergs Glück (1738-1791, 1790/'91 nur noch etwas Nachlesebergbau),
Die genaue Lage des Schachtes ist im Gelände unklar. Außerhalb der Halde sind 5 Pingen. Vorgänger war hier die Grube St. Martin oder Merten (1697-1738). Diese Gewerkschaft war zuvor 6 Jahre lang suchend im Festenburger Revier (oberhalb vom Zankwieser Teich, Nr. 84 bei 10) unter dem Namen Kleine Mertens Zeche tätig. Der neue Standort der Mertens Gewerkschaft hier in Mittelschulenberg ist bei Bartels1 wohl falsch beschrieben.

(7) Grube Prinzen (1705-1737), Teufe 190 m
Die Gewerkschaft der Grube war zuvor bei Bockswiese unter gleichem Namen aktiv. Hier in Mittelschulenberg hat man zu Beginn einen bereits vorhandenen alten Schacht wieder aufgewältigt. Da waren noch 2 Steiger und 12 Bergleute beschäftigt. Im weiteren Verlauf waren es nur 1 Steiger und 4 bis max. 8 Bergleute. Entsprechend gering war während der gesamten Betriebszeit die Erzförderung. Zur Grube Prinzen gehörte auch ein Tagesstollen etwas abwärts im Geländeeinschnitt.

(8) Grube Neuer Engel (1728-1736)
1728 wird das Feld zwischen der Grube Prinzen und St. Martin als Grube Neuer Engel neu verliehen. Der Betrieb war zuvor schon (1710) im Schulenberger Bereich aktiv. Und davor (1692-1710) war man wohl anteilsmäßig im Spiegeltal vertreten. 1736 werden Sucharbeiten durch 2 Bergleute in einem Befahrungsbericht erwähnt. Chr. Zimmermann11 gibt einen Engler Suchort vom TSS ins Liegende (also nordwestl. Richtung) an.

Übersichtskarte

Wenn Du mit dem Mauszeiger auf das Bild fährst, wird der gleiche Ausschnitt aus der Sandkuhl-Karte14 gezeigt.
Sandkuhl:
Aus nordöstlicher Richtung kommt der Riesenbacher Graben, der hier in dem Tälchen, welches von der von der Grube Prinzen herabführt bereits endet und dessen Wasser damit ohne Umweg über Oberschulenberg direkt der Grube Juliane Sophie zur Verfügung stand. Um 1770 wurde der reguläre Abbau in Oberschulenberg beendet. Danach fand dort nur noch Nachlesebergbau statt, der 1795 stark reduziert wurde. Die Gruben soffen bis zum TSS ab. Das Oberschulenberger Revier benötigte das Wasser nicht mehr und der Riesenbacher Graben konnte bis dorthin abgeworfen werden. Schön zu sehen sind auf der Sandkuhlschen Karte die 3 Juliane Sophier Radstuben mit den Bypässen. Direkt am Schachtgebäude befand sich ein 8,44 m großes Kehrrad zur Förderung und daran anschließend noch zwei Kunsträder (Fahr- und Wasserkunst) mit jeweils 9 m Durchmesser. Auf den historischen Photos ist gut zu sehen, daß zwei Feldgestänge von den Kunsträdern in das Gebäude führten. Für Reparaturen konnten die Räder separat von der Wasserversorgung getrennt werden. Diese Wasserkraftanlagen existierten bis zum Ende der Grube 1904 und sind deshalb noch rel. gut im Gelände sichtbar und ausgeschildert.
Ein Teil des Pochgrabens bei Sandkuhl gehört heute zum Welterbe und liegt direkt neben der Straße. Der Graben könnte auch für einen normalen Straßengraben gehalten werden. Der größere Teil des Pochgrabens ist beim Bau der verlegten Landstraße verschwunden.
Der bei Sandkuhl als Julianer Graben bezeichnete Graben heißt tatsächlich so.
Welterbekarte15:
Die Benennung Urbaner Graben (Pochgraben) ist hier falsch. Ebenso falsch ist die Bezeichnung Urbaner WL (Wasserlauf). Die Grube St. Urban lag deutlich höher in Oberschulenberg und hatte mit diesem Graben nichts zu tun. Es gibt im Oberschulenberger Revier den Urbaner Graben (den "Betongraben"), der ein ganzes Stück oberhalb vor den Gnade Gotteser Schächten endet und auch nie weitergeführt hat. Näheres gibt es dazu in einem Bericht von Wolfgang Lampe, der auf dieser Webseite behandelt wird. Der auf der Welterbekarte benannte Urbaner Graben ist tatsächlich der Juliane Sophier Graben und der darüberliegende als Julianer Graben benannte Graben ist tatsächlich der Riesenbacher Graben. Evtl. haben die Welterbe-Autoren die Benennung ungeprüft bei Martin Schmidt 9 abgeschrieben. Auf den Infotafeln im Gelände sind die Bezeichnungen richtig.




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Meine Copyright-Bestimmungen gelten aber trotzdem.

* zu Bild 13:
Zitat aus Quelle 3 Seite 270, 271
Anstrichfarbe aus Zinkblende
Seit mehreren Jahren wird in Klausthal unter dem Namen Steingelb eine zum Häuser-Anstriche sehr geeignete weißgelbliche Farbe fabrizirt, welche aus gemahlener Lautenthaler Zinkblende besteht. An mehreren Orten hat sich dieselbe bereits durch Erfahrung bewährt, so z. B. in Klausthal seit zehn Jahren an dem dortigen neuen Badehause, ferner in Goslar, Hannover, u. s. w. - Wie jeder Häuser-Anstrich mit Oelfarbe, so konservirt auch die Blende-Farbe den Holzbeschlag der Hauswände, besonders wenn der Untergrund neues Getäfel ist; und es liefert dieses Steingelb jedenfalls eine bessere Deckfarbe als ein Anstrich mit Bleiweiß, welches letztere viel eher verwittert. Nur muß die Blendefarbe rein, ohne Zusatz von Ocker, mit viel Oel angemacht werden, wo sie dann einen - zugleich durch wohlfeilheit sich empfehlenden - mit der Zeit immer schöner werdenden braungelblichen Anstrich liefert. Sogar ohne Oel, bloß mit saurer Milch, ist diese Farbe brauchbar. Der Centner Steingelb kostet bei der Bergfabrikaten-Rechnung zu Klausthal (Adresse: Herr Maschinen-Direktor Mühlenpford daselbst) 3 Rthlr.

Zitat Ende
Wie diese Farbe hergestellt werden kann, wird in 5 ab Seite 337 für die Freiberger Produktion von Anstrichfarbe aus Zinkblende genau beschrieben.

Literaturquellen:

1 Bartels, Christoph
Vom frühzeitlichen Montangewerbe zur Bergbauindustrie
Erzbergbau im Oberharz 1635-1866
Bochum: Deutsches Bergbau-Museum, 1992
ISBN 3-921533-53-8
Dieses Buch ist eine vielfach zitierte und wichtige Sekundärquelle

2 Dumreicher, (Wilhelm Heinrich Otto) Alfred
Gesammtüberblick über die Wasserwirthschaft des nordwestlichen Oberharzes
Clausthal: Verlag der Grosse'schen Buchhandlung, 1868
Das Buch wurde zur Expo 2000 neu herausgegeben (ist aber kein Reprint)
Clausthal-Zellerfeld: Schriftenreihe des Oberharzer Geschichts- und Museumsvereins, 2000
ISBN 3-9806619-2-X

3 Freytag
Hephästos, eine praktisch-technische Monatsschrift für Handwerker, Künstler, Fabrikanten, Kaufleute, Land- und Hauswirthe, Architekten und alle Freunde und Beförderer des gemeinnützigen
herausgegeben und redigirt vom Commerziennrathe Freytag
Bielefeld: Verlag von A. Helmich, 1. Jahrgang, 5. Heft, 1839
Das Heft gibt es auch als Digitalisat

4 Heise, F. und Herbst, F.
Lehrbuch der Bergbaukunde
mit besonderer Berücksichtigung des Steinkohlenbergbaus
2. Band, Seite 58
Berlin: Verlag von Julius Springer, 1913

5 Hekler, J. F.
Jahrbuch für Fabrikanten und Gewerbetreibende, Physiker,Chemiker, Techniker, Pharmaceuten, Oekonomen u. s. w.;
enthaltend: die Fortschritte, Verbesserungen und Erfindungen im Gebiet des Fabrikwesens, der Künste und Gewerbe, der Physik und Chemie im Verlaufe des Jahres 1839
2. Band Jahrgang 1839
Prag: Druck und Papier von Gottlieb Haase Söhne, 1840
Das Buch gibt es auch als Digitalisat

6 Hoppe, Oscar
Die Bergwerke-, Aufbereitungs-Anstalten und Hütten sowie die technisch-wissenschaftlichen Anstalten Wohlfahrts-Einrichtungen pp. im Ober- und Unter-Harz
Clausthal: Verlag der Grosse'schen Buchhandlung, 1883
Digital verfügbar bei der TU Braunschweig
Die neue Mittelschulenberger Aufbereitung wird ab Buchseite 279 (im pdf: ab Seite 153) beschrieben.

7 Karsten, Dr. Carl Johann Bernhard (Königl. Preußs. Geheimen Ober-Berg-Rathe und ordentlichem Mitglied der Königl. Akademie der Wissenschaften)
Archiv für Mineralogie, Geognosie, Bergbau und Hüttenkunde
Zehnter Band
Berlin: G. Reimer, 1837
Dieses Buch gibt es als Reprint (ISBN: 978-1-39656-792-6) und Digitalisat bei einem US-Amerikanischen Suchmaschinen-Betreiber

8 Schell, Friedrich
Die Unglücksfälle in den oberharzischen Bergwerken
Clausthal: Verlag der Grosse'schen Buchhandlung, 1864.
In diesem Buch wird das Unglück vom 17. März 1812 auf dem Tiefen Schulenberger Stollen ab Seite 68 ausführlich beschrieben
Das Buch gibt es als Reprint (1986) ISBN 3-922541-21-6.
Über Friedrich Schell selbst ist hier etwas zu erfahren.

9 Schmidt, Dr.-Ing. Martin
Die Wasserwirtschaft des Oberharzer Bergbaues
Schriftenreihe der Frontinus Gesellschaft e. V. Heft 13
Bonn: Wirtschafts- und Verlagsgesellschaft Gas und Wasser mbH, 1. Auflage 1989
ab Seite 293
Die 1. Auflage des Buches ist schlecht gebunden und entwickelt sich (bei mir) zu einer losen Blatt Sammlung. Es gibt das Buch inzwischen in der mind. 3. Auflage.

10 Sperling, Herbert & Stoppel, Dieter
Geologisches Jahrbuch, Reihe D, Heft 34
Monographien der deutschen Blei-Zink-Erzlagerstätten.
Lieferung 3: Die Blei- Zink-Erzgänge des Oberharzes
Hannover, 1979
ISBN 978-3-510-96158-0

11 Zimmermann, Dr. Christian (Bergsecretair zu Clausthal, Mitglied der Commission der Berg- und Forstschule und Lehrer an diesem Institute)
Das Harzgebirge in besonderer Beziehung auf Natur- und Gewerbskunde geschildert.
Ein Handbuch für Reisende und Alle, die das Gebirge näher kennen zu lernen wünschen, mit Nachweisungen über Naturschönheiten
Darmstadt: Carl Wilhelm Leske, 1834
Das Buch gibt es auch als Digitalisat

Kartenquellen:

12 Borchers, Eduard (August Georg)
General Gang Charte des nordwestlichen Harzgebirges
Entworfen im Auftrag des Königlich Hannoverschen Berg- und Forstamtes in den Jahren 1856 bis 1865 von E. Borchers
Wer diese Karte letztendlich gezeichnet hat ist mir nicht bekannt. Vervielfätigt wurde sie von der Artistischen Anstalt von Fr. Malté in Stuttgart
Der Maßstab der Karte ist 1:16000, sie hat Höhenlinien.
Borchers konnte auf die Karte von Bergsecretair Dr. Chr. Zimmermann (Clausthal, 1836) zurückgreifen.
Dieser Dr. Zimmermann wiederum schreibt in dem Buch von Karsten 4 (S. 27-90), daß seine Grundlage insbesondere ein Exemplar der Karte des vormaligen Markscheiders Quensell 10 war, welcher als ein sehr zuverlässiger Mann galt. Auf diesem Exemplar hatte Ober-Bergmeister Ey aus Zellerfeld Erkenntnisse, die aus damals neueren Schurfarbeiten und sonstigen bergmännisch erlangten neuen Aufschlüssen stammten, auftragen lassen. Die Zimmermann'sche Karte ist im Buch von Karsten enthalten, im Digitalisat davon allerdings (wie so oft) nur zusammengefaltet.

13 Quensell, Johann Andreas Friedrich
Situations Carte von denen im Clausthalischen Bergamts Revier befindlichen Teichen, Wasser Leitungen und Wasser Fällen.
Clausthal den 22ten Mertz 1800 Copiirt und nachgetragen von Joh. Andr. Fr. Quensell
Das Original liegt im Rißarchiv am LBEG Clausthal: HSTAH BaCl Rissarchiv Nr. 2221

14 Sandkuhl, Ernst
Uebersichtskarte von der Wasserwirthschaft des nordwest. Oberharzes, angefertigt durch Oberbergamtsmarkscheider Sandkuhl, 1893
Lithographische Anstalt v. Bogdan Gisevius, Berlin W., Linkstr. 29. Die Karte wurde in mehreren Sektionen (I-V) lithographisch vervielfältigt. Der Maßstab der Karte ist 1:12500, sie hat Höhenlinien. Der von mir verwendete Ausschnitt liegt in Sektion II
Das Original liegt im Rißarchiv am LBEG Clausthal: HSTAH BaCl Rissarchiv Nr. 997
(Anmerkung: es gibt eine von Alfred Dumreicher entworfene Karte aus dem Jahr 1866 zum gleichen Thema auf die sich Sandkuhl stützen konnte. Diese Dumreicher'sche Karte ist in dem o. g. Buch 2 sowie dem Reprint davon als Anhang enthalten. Sie hat im Gegensatz zur Sandkuhl-Karte keine Höhenlinien, und ist mit dem Maßstab 1:50000 deutlich kleiner)
Von Ernst Sandkuhl gibt es mit der Signatur I. HA Rep. 121, Nr. 5054 im Geheimen Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz die Personalakte im Bestand: Ministerium für Handel und Gewerbe, Berg-, Hütten- und Salinenverwaltung
(Titel: Sandkuhl, Ernst; Markscheider, Laufzeit: 1885-1906)

15 Oberharzer Wasserwirtschaft, Antrag zur Aufnahme in die Welterbe-Liste 1992, Karten-Anhang, 2007.
Der verwendete Karten-Ausschnitt ist zusammengesetzt aus den Blättern IV-07 und IV-08

sowie die oben verlinkten Internetseiten, auf denen Du dich ausführlicher informieren kannst.

und hier als Zugabe noch einige Begriffserklärungen für Laien:
Gedinge: ein gewisses Quantum Arbeit zu einem im voraus festgelegten Lohn, z. B. Fortschritt beim Stollenvortrieb oder beim Absinken eines Schachtes. Das ist naturgemäß immer mit Diskussionen verbunden (das Gestein ist härter als erwartet ... es dringt mehr Wasser ein als erhofft). Dem wurde mit Probegedingen begegnet.
Weilarbeit: Arbeit "bei der Weile", jedoch nicht aus "Langeweile". Eine Nebentätigkeit um das miese Einkommen aus den regulären Schichten aufzubessern. Gibt es heute wieder zunehmend.
Wetter: Luft
Fahrt: eine Art Leiter. Bei Fahrten liegt die ebene Fläche der Halbrunden Holme aussen, bei Leitern dagegen innen. Dadurch lassen sich Fahrten einfach mit aufgenagelten Brettern verbinden, was im Untertagebetrieb recht nützlich ist. Eine andere Definition ist, daß jede Leiter ihre Bezeichnung wechselt, sobald sie Untertage benutzt wird.
Gezähe: Werkzeug
Querschlag: Strecke unter Tage ohne Mundloch. Der lange begehbare Hohlraum unter Tage mit Mundloch heißt Stollen, derjenige mit 2 Mundlöchern ist ein Tunnel
Lichtloch: kleiner Schacht vom Tage zur Bewetterung (Zuführung frischer Luft, Abführung verbrauchter Luft)
Gaipel: Gebäude über der Tagesöffnung eines Schachtes
Pinge: Vertiefung im Gelände entstanden z. B durch Setzen der Füllsäule eines abgeworfenen Schachtes oder durch einen Bruch unter Tage, der sich bis zur Tagesoberfläche fortgesetzt hat.
Wasserlauf: Tunnel zur Wasserleitung, eine kurze Wasserleitung mit einem Mundloch, meist mit wenig Überdeckung, ist eine Rösche.

Fachlich zuständig (Stand 2.2.2018) für das UNESCO-Welterbe in Niedersachsen ist das
Niedersächsisches Landesamt für Denkmalpflege
Scharnhorststraße 1
30175 Hannover
Dr. Christina Krafczyk, christina.krafczyk@nld.niedersachsen.de
und
Dr. Reiner Zittlau, reiner.zittlau@nld.niedersachsen.de
oder allgemein: denkmalpflege@nld.niedersachsen.de


Glück Auf!


Zuletzt bearbeitet am 2. Februar 2020 Startseite © Christian Becker