Der Prinz-Adolph-Friedrich Gang befindet sich zwischen dem Bergmannstal und dem Arnemannstal in der Forstabteilung 224 im Langetal, welches sich von der Okertalsperre zwischen dem Dietrichsberg und dem Mittelberg bis hinter den Lange Teich erstreckt (für die Leser von auswärts: wir befinden uns ca. 6 km östlich der Bergstadt Clausthal-Z. im Oberharz, die Koordinaten stehen in der Karte). Er ist wahrscheinlich Teil des Spiegeltaler Gangzuges und gehört nicht zur nahegelegenen Aufblätterungszone des Bockswieser Gangzuges bei Mittelschulenberg.
Alle Photos auf dieser Seite stammen aus dem Herbst 2007.
Landkarte Lange Tal

Symbol Bergbau (Schlägel und Eisen)   Prinz-Adolph-Friedrich Gang
Symbol Landstrasse   Landstraße 517
 Symbol Schlackenplatz   Schlackenplätze
 Symbol Forstweg   Forstwege

Seinen Namen hat er nach Prinz Adolph Friedrich von Großbritannien, Irland und Hannover, 1. Herzog von Cambridge
(* 24. Februar 1774 im Buckingham Palast in London, ein Hof, der damals den Ruf hatte, der sparsamste, langweiligste und frömmste in ganz Europa zu sein; † 8. Juli 1850 auch in London). Er war der siebte Sohn und das zehnte Kind von König Georg III . Sein älterer Bruder Ernst August I war der unsympathischste der Gebrüder. Gerüchten zufolge soll dieser einen Bediensteten zu Tode geprügelt und seine eigene Schwester, Prinzessin Sophia, vergewaltigt haben. Auch dessen Frau hatte keinen guten Ruf. Sie soll einen oder sogar beide ihrer früheren Ehemänner ermordet haben. Adolph Friedrich ging im Sommer 1786 gemeinsam mit seinen Brüdern Eduard und Ernst August zum Studium nach Göttingen. Den Oberharz hat Adolph Friedrich 1814 und 1827 besucht.

Über die Beschaffenheit des Ganges wird in den Oberbergamtsakten mit Datum vom 25. Februar 1853 folgendes festgestellt:
Der Gang streicht hor. 8 [120°], fällt mit 70° - 75° verkehrt ein und hat 1 ⅛ Lachter [2,16 m] Mächtigkeit. Er besteht aus mildem [weichem], grauschwarzem Tonschiefer, in welchem 2 Erztrümer aufsetzen. Das eine dieser Trümer liegt hart am Hangenden des Ganges und führt neben porösem Quarz, in dessen Höhlungen rotbrauner Eisenmulm [Magnetit in erdiger Form] liegt, zumeist Kalkspat [Calcit], in welchem Bleiglanz [Galenit] mit wenig Kupferkies [Chalkopyrit] eingesprengt vorkommt und Spateisenstein [Siderit] mit kleinen Quarz und Schieferbrocken. (...) Das andere, etwa in der Mitte des Ganges anstehende Trum, führt dieselben Gangarten, hat aber ein sehr verwittertes aussehen und ist von Eisenoxid gelblich gefärbt. Das ersterwähnte Trum hat 12-15 Zoll [29-36 cm], das zweite 5-6 Zoll [12-15 cm] Mächtigkeit. (...) Beide Trümer lieferten gewöhnliches Pocherz mit wenig derben Partien.

Mit dem verkehrten Einfallen ist gemeint, das der Gang nach Norden einfällt und nicht, wie die meisten anderen Oberharzer Gänge, in südliche Richtung. Gewöhnliches Pocherz wird Erz genannt, welches innig mit dem Nebengestein verwachsen ist. Dieses muß vor der Verhüttung einer Aufbereitung (mechanischen Zerkleinerung und Anreicherung) unterworfen werden. Sind die Erze so rein, d. h. frei von Gangart, daß sie unmittelbar aus der Grube oder schon nach einem groben Zerkleinern und Aussuchen (Handscheidung) der Hütte übergeben werden können, so werden sie Scheiderz oder Stufferz genannt.

güldener Oktober im Langetal die Lange hat beim letzten Hochwasser reichlich Material verfrachtet
güldener Oktober im Langetal

die Lange hat beim letzten Hochwasser reichlich Material
verfrachtet, hier findet sich auch Schlacke

Im 18. Jahrhundert wurden hier 2 Versuchsstollen getrieben:

1) In der Talsohle am rechten Ufer der Lange liegt ein offensichtlich auf dem Streichen des Ganges in hor. 7.6 [116,3°] getriebener Stollen. Bei einer im Jahre 1853 vorgenommenen Untersuchung der Gegend stellte man fest, daß das Haldengebirge sowie das an den Wangen des verbrochenen Stollens anstehende Gestein aus Quarz und Tonschiefer mit Quarz- und Kalkspatschnürchen bestand. Die vor dem Mundloch des Stollens befindliche Halde hatte eine Fläche von etwa 12 Quadratruten [56 m²] und eine Höhe von etwa einem Lachter [1,92 m]. Nach der Beschaffenheit des Haldengebirges nahm man an, daß man mit dem in früheren Zeiten getriebenen Stollen keinen Erfolg gehabt hatte und sah deshalb von der Wiederaufwältigung des Stollens ab.
Von der heutigen Forststraße im Langetal ist die komplett bewachsene Halde zu sehen, die Stollenpinge liegt im Wald dahinter. Wenn man sich mal an das andere Ufer begibt, sind beide nicht zu verfehlen. Die Halde scheint noch die gleiche Größe wie 1853 zu haben. Sie ist wohl nicht durch den Fluß angeschnitten, der dazu durchaus in der Lage wäre. Der verbrochene Stollen ist inzwischen soweit bewachsen und mit Bäumen zugefallen, daß die beschriebenen Quarz- und Kalkspatschnürchen an den Wangen nicht mehr zu sehen sind.

die Halde vom Forstweg aus gesehen
die Pinge des unteren Stollens liegt am Fuß des Dietrichsberges hinter der Halde
die Halde vom Forstweg aus gesehen
Seitenansicht der Pinge des unteren Stollens,
sie liegt hinter der Halde am Fuß des Dietrichsberges


die Stollenpinge von unten gesehen
die Stollenpinge von oben gesehen
die Stollenpinge von unten gesehen

die Stollenpinge von oben gesehen
2) Etwa 40 Lachter [77 m] weiter östlich hatte auf dem selben Gang etwa 16 Lachter [31 m] über der Talsohle die Lehnschaft [ein Privatbetrieb] „Prinz-Adolph-Friedrich“ gebaut. Die Alten hatten hier einen Stollen querschlägig durch das Nebengestein in hor. 9.6 [146,3°] in Richtung des Ganges aufgefahren und bei 8 Lachter [15,36 m] Länge das hangende Saalband des Ganges (einen 1-2 Zoll [2,4-4,8 cm] mächtigen Lettenbesteg) getroffen. Das Saalband zeigte hier ein Streichen von hor. 7.6 [116,3°] und ein Einfallen unter 82° gegen Nordosten. In derselben Richtung war man mit einem Querschlag zur Überbrechung des tauben, mit verworrenen Gang- und anderem Tonschiefer ausgefüllten Ganges noch um 8 Lachter [15,36 m] weiter aufgefahren. Bei 7 Lachter [13,44 m] Länge des Querschlages hatte man wiederum ein 1 Zoll [2,4 cm] mächtigen Lettenbesteg überbrochen, welcher hor. 7.3 strich [110,6°] und mit einer Neigung von 80° gegen Nordosten einfiel, also dem am Hangenden des Ganges überfahrenen Lettenbesteg nahezu parallel aufsetzte. Wenn man diesen Lettenbesteg als das Liegende des Ganges ansieht, so würde sich für diesen eine beträchtliche Mächtigkeit ergeben. Mit Sicherheit ließ sich dies jedoch nicht bestätigen, da über den Lettenbesteg im Liegenden hinaus noch meherere im Streichen und Fallen wechselnde Lettenschmitze festgestellt wurden, auch der als Nebengestein angesehene Schiefer zeigte eine unregelmäßige Schichtung. Von dem Punkt, wo der Gang mit einem Querschlag getroffen wurde, hatten die Alten ein Ort 21 Lachter [40,3 m] lang gegen Mittag-Morgen [Südosten] am Hangenden des Ganges fortgetrieben. Bei 2 Lachter [3,84 m] Länge hatte man ein 1 Zoll [2,4 cm] mächtiges Quarz und Kalkspattrümchen angefahren, in dem Bleiglanz nesterweise eingesprengt vorkam. Vor dem Ortsstoß trat ein 3 Spann [0,73 m] mächtiges quarziges Kalkspattrum auf, welches im Quarz Bleiglanz und Kupferkies nesterweise führte. Das Hangende des Ganges bestand hier aus einem 10 Zoll [24 cm] mächtigen Lettenbesteg. Untergeordnet mit dem Bleiglanz brach Spateisenstein/Siderit und in dessen Nähe Kupfergrün/Chrysokoll ein. Die Alten hatten ferner bei 20 Lachter [38,4 m] Länge vom Mundloch des Stollens vom Tage einen 8 Lachter [15,36 m] tiefen Schacht niedergebracht.
Diese Angaben werden doch am besten mal mit einer Skizze veranschaulicht, nicht wahr? Hier ist meine Interpretation:
Aufriss
Der Schacht liegt im Tagesniveau auf dem Gang, der zur Tiefe nach Nordosten einfällt.

Im Jahre 1853 nahm man hier auf Vorschlag des Bergmeisters (und späteren Oberbergmeisters) Andreas Heinrich Pape die untertägigen Untersuchungsarbeiten wieder auf. Der Versuch erschien nicht aussichtslos, da die erzführende Partie des Ganges am Ortsstoß ja schon auf 3 Spann [0,73 m] Mächtigkeit zugenommen hatte. Man hoffte, daß der Gang im weiteren Feld nach Morgen [Osten] sich immer mehr auftun würde. Zum Quartalsbeginn Crucis 1853 wurde das Auslängen auf dem Gang mit 4 Gedingehauern [Bergbaufacharbeiter im Akkord] belegt. Diese haben in 34 Wochen 10 Lachter [19,2 m] lang vor dem Feldort und 6/8 Lachter [1,44 m] lang mit einem Querschlag in das Liegende (zur Überfahrung des Ganges) bei 1 Lachter [1,92 m] Höhe und 6/8 Lachter [1,44 m] Weitung 8 Kubiklachter Gestein herausgeschlagen. Das entspricht 24 Treiben [155,5 m³] Gebirge. Durch Pocharbeiter wurden daraus ungefähr 1¼ Treiben [8,1 m³] reines Erz durch Handscheidung gewonnen, aus denen etwa 30 Zentner [1,4 t] trockener Schlieg [durch pochen und waschen produziertes feinkörniges Erzkonzentrat] gewonnen wurden. Durch Berechnung haben sich daraus 2 Mark und 13 Lot [658 g entspricht Würfel mit 4 cm Kantenlänge] Silber sowie 19 Zentner und 50 Pfund [912 kg entspricht Würfel mit 43 cm Kantenlänge] Blei im Gesamtwert von 155 Reichsthalern 20 guten Groschen und 4 Pfennigen ergeben. Nach Abzug der Aufbereitungs- und Hüttenkosten sowie des Bleiverlustes ergab sich ein Verlust von etwa 249 Reichsthalern 12 guten Groschen und 6 Pfennigen.
Unter diesen Umständen wurde durch Verfügung des Bergamtes die Einstellung des Versuchsbetriebes angeordnet. Die 4 Hauer wurden auf die 7. Strecke der nahegelegenen Grube Juliane Sophie verlegt. Bergmeister Pape wies daraufhin, daß das Suchort in festem haltbaren Gestein stehe und der Ortsstoß für spätere Versuchsarbeiten deshalb immer zugänglich bleiben würde. Der Stollen steht heute, soweit man es vom Mundloch aus sehen kann, ohne Ausbau unverändert im festen. Bergmeister Pape empfahl ferner, bei einer etwaigen späteren Wiederaufnahme des Versuchs auch den unteren Stollen am Dietrichsberg zu öffnen und von diesem aus die Versuchsarbeiten in einem tieferen Niveau zu betreiben. Bei den Empfehlungen ist es geblieben.
Es war wohl etwas viel verlangt, daß ein Stollenbetrieb nahe unter Tage sich schon nach wenigen Lachtern rentieren sollte.


Mundloch des oberen Stollens
Blick in den oberen Stollen
Mundloch des oberen Stollens

Blick in den oberen Stollen
Gangmaterial auf der Halde vor dem Mundloch
Quarz xx auf der Halde vor dem Mundloch
Gangmaterial auf der Halde vor dem Mundloch

Quarz xx auf der Halde vor dem Mundloch
Pingen in Höhe des Mundloches auf dem Gang
die Schachtpinge oberhalb des Mundloches
Pingen in Höhe des Mundloches auf dem Gang

die Schachtpinge oberhalb des Mundloches
Pyromorphit und Galenit
oberhalb der Schachtpinge befinden sich noch weitere Pingen auf dem Gang
Cerussit Pb[CO3] und Galenit PbS
aus der Oxidationszone des Ganges,
gefunden am Rand der Schachtpinge
Bildbreite 45 mm


oberhalb der Schachtpinge befinden sich noch weitere Pingen auf dem Gang

Die Schlacke in der Lange vor dem unteren Stollen kann von mind. 4 alten Hüttenplätzen stammen:
1) Aus dem unteren Schlackental, welches zwischen den Forstabteilungen 218 und 139 liegt. Auf halber Höhe befindet sich in diesem kleinen Tal eine unübersehbare offene Schlackenstelle. Dieser Platz befindet sich ca. 1,8 km flußaufwärts. Auf einer neuzeitlichen Karte im Niedersächsischen Forstamt Clausthal werden das obere/untere Schlackental als obere/untere Schlackenkappe bezeichnet.
2) An der Mündung des großen Mönchstales in das Langetal. Hier ist alles bewachsen, ich habe auch keine Schlacke in den Bächen gesehen. Die Stelle befindet sich ca. 2,1 km flußaufwärts. Am Hang des Mittelberges befindet sich hier eine kleine wasserwirschaftliche Anlage. Der Weg von der Schutzhütte zum Lange Teich führt direkt darauf zu. Nach Arnold Bode (Reste alter Hüttenbetriebe im West- u. Mittelharze. Jahrbuch der geogr. Ges. Hannover, 1928) sollen an der südlichen Talwand dicht über der Talsohle noch Spuren einer Wasserzuleitungsanlage erkennbar sein. Mit gutem Willen und Phantasie sind diese Spuren auch heute noch südlich der Brücke über den Mönchstalbach zu erkennen.
3) Aus dem kleinen Mönchstal. Etwas oberhalb einer Stelle, wo eine entwurzelte Fichte reichlich Holzkohle freigelegt hat, ist die Schlacke mühelos im Bach zu finden. Ansonsten ist hier alles bewachsen. Die Stelle befindet sich ca. 2,5 km flußaufwärts.
4) Aus dem großen Steintal, am nördlichsten Punkt der Forstabteilung 212. Hier ist auch alles bewachsen, im Bach findet sich jedoch reichlich Schlacke. Die Stelle befindet sich ca. 1,4 km flußaufwärts. Hierher verlegt Heinrich Denker (Der Waldbesitz des Klosters Neuwerk im Oberharz nach den alten Urkunden. Zeitschrift des Harz-Vereins für Geschichte und Altertumskunde Band 51, 1918) die Hütte "Tom Inavele", die auch im Urkundenbuch der Stadt Goslar erwähnt wird (Georg Bode/Uvo Hölscher/Wilhelm Wiederhold (Hgg.): Urkundenbuch der Stadt Goslar und der in und bei Goslar gelegenen geistlichen Stiftungen, Halle 1893 ff. Davon gibt es 5 Bände). Zu erwähnen sei noch der Suchstollen "Segen des Herrn" etwas weiter oberhalb dieses Schlackenplatzes. Dort streicht eine erzleere Störungszone durch, nach E. Borchers und anderen soll es sich dabei um die Fortsetzung der Burgstätter faulen Ruschel handeln.
Ob an den alten Oberharzer Hüttenplätzen ausschließlich oder vorwiegend Rammelsberger Erz verarbeitet wurde, wie vielfach vermutet worden ist, darf nicht zuletzt wegen der Ergebnisse der Grabung am Johanneser Kurhaus (1987-1991) bezweifelt werden. Was macht wohl auch mehr Sinn: das Erz vom Rammelsberg in den Harz zu transportieren oder das Holz/die Holzkohle aus dem Harz herauszuschaffen?

Schlacke mit nicht aufgeschmolzenem Nebengestein im Geröll der Lange an der unteren Stollenpinge Schlacke im Geröll der Lange Schlackenplatz im unteren Schlackental offener Schlackenplatz im unteren Schlackental, ca. 1,8 km flußaufwärts
an der Mündung des großen Mönchstales in das Langetal

Hier fasst der Lange Graben sein erstes Wasser.
altes Schild Der Lange Graben am Mittelberg der Lange Graben an der Südflanke des Mittelberges

Nicht zu verwechseln mit dem langen Graben oder dem Langer Graben.
ca. 120 m südöstlich der oberen Pingen am Dietrichsberg befand sich einst auf dieser Fläche ein Holzkohlenmeiler Platz einesHolzkohlenmeilers Holzkohle solche Plätze sind in der Gegend recht zahlreich und einfach anhand der Topographie und der Holzkohle zu finden

Situation um 1853

Was war
Nach der Völkerschlacht bei Leipzig (16. bis 19. Oktober 1813) fiel der Harz vom Königreich Westphalen an das vergrößerte und 1814 zum Königreich Hannover erhobene Kurfürstentum Hannover. Die Lage für die Bevölkerung und den Bergbau wird schwierig. Mitte des Jahrhunderts kam es mit Unterstützung der Bergverwaltung zu Massenauswanderungen.
1816: auf der Clausthaler Hütte wird Steinkohlenkoks anstelle von Holzkohle eingeführt.
1833: der Geschworene Georg Ludwig Wilhelm Dörell berichtet den Bergoberen über die vom Kunstknecht Lichtenberg aus Zellerfeld erfundene Fahrkunst. Er wurde in Anerkennung seiner Verdienste zum Bergmeister befördert und erhielt eine Gratifikation von 50 Thalern. Ob Herr Lichtenberg wohl auch befördert wurde und eine Belohnung bekam?
1834: Oberbergrat Wilhelm August Julius Albert unternahm mit Unterstützung des Pochsteigers (oder war er Bergschmied ?) Heinrich August Mummenthey auf dem Hof der Clausthaler Münze erste Versuche mit einem Seil aus geflochtenem Eisendraht. Nach Meyers Konversationslexikon (4. Auflage, 1885 - 1892) hat Albert bereits 1827 auf der Grube Franz August mit einfach zusammengedrehten Drähten angefangen zu experimentieren.
1835: die Steuerfreiheit für die Harzbewohner endet endgültig.
15./16. 9. 1844: 213 Wohnhäuser und noch einiges anderes mehr fallen in Clausthal einem Brand zum Opfer.
1848: die Revolution erregt auch bei der Harzbevölkerung die Gemüter. Man protestiert u. a. gegen die geplante Verlegung der Clausthaler Münze nach Hannover.
17. 7. 1849: der letzte Thaler im Harz wird in Clausthal geprägt.
21. 7. 1851: mit der Auffahrung des Ernst August Stollens wird begonnen. Benannt ist der Stollen nach dem oben erwähnten Bruder von Adolph Friedrich.
Was wird
Ostern 1854: in Clausthal fallen 101 Wohnhäuser mit 114 Nebengebäuden einem Brand zum Opfer.
22. 6. 1864: gegen 10:00 Uhr erfolgt der letzter Durchschlag auf dem Ernst August Stollen.
20. 9. 1866: mit dem Gesetz betreffend die Vereinigung des Königreichs Hannover, (...) mit der Preußischen Monarchie wird das Königreich Hannover aufgelöst, nachdem es als Verbündeter Österreichs in der Schlacht bei Langensalza 2. Sieger war und 6 Tage später die österreichische Armee bei Königgrätz auch kein besseres Ergebnis erreichte.

Maße und Gewichte

Während in Frankreich 1840 endgültig und konsequent das metrische System eingeführt wurde, herrschte bei uns noch bis zum 31. Dezember 1868 ein buntes Durcheinander. Der Beitritt des Königreich Hannover zum deutschen Zollverein erfolgte erst 1854. Das Zollpfund mit 500 g als allgemeineGewichtseinheit wurde erst zum 1. Juli 1858 beschlossen.
Die Maß-, Gewichts- und Währungseinheiteneinheiten von 1853 beziehen sich also auf das zu der Zeit im Königreich Hannover geltende System.

Länge
1 Rute = 16 Fuß
1 Fuß = 0,29209 m (Basiseinheit)
1 Zoll = 1/12 Fuß
1 Spann = 10 Zoll
1 Bergbaulachter = 8 Spann = 80 (Lachter-) Zoll = 1,92 m


Gewicht
1 Zentner = 100 Pfund
1 Pfund = 467,711 g (Basiseinheit)
beim Silbergewicht:
1 Mark = 1/2 Pfund = 16 Lot = 288 Grän
beim Gestein (Gebirge und Erz):
1 Treiben = 40 Tonnen = 160 Kübel = 6,48 m³ oder ca. 11 t.  1 Treiben entsprach damals der tägl. normalen Fördermenge bei Schachtförderung.

Währungseineiten
1 Thaler = 24 gute Groschen = 36 Mariengroschen
1 guter Groschen = 12 Pfennig
1 Mariengroschen = 8 Pfennig
Der Neugroschen zu 10 Pfennig wurde 1859 eingeführt.
Das Münzwesen in früheren Zeiten war reichlich kompliziert

Angaben zum Gangstreichen
hora (Stunde): Aufteilung der Kompassrose in 24 Stunden
1 Stunde (= 15°) wird unterteilt in Achtelstunden oder 8 Strich (1/8 h = 1,875°).
Morgen = Osten
Mittag = Süden
Abend = Westen
Mitternacht = Norden
3 Stunden nach Mitternacht bedeutet also die Richtung Nordost.

Für das Rechnungswesen waren die 4 Bergquartale Reminiscere, Trinitatis, Crucis und Luciae maßgebend. Jedes normale Quartal war in 13 durchnummerierte volle Wochen unterteilt. Das ergibt 364 Tage für ein Bergjahr. Um die Verschiebung gegenüber dem Kalenderjahr im Rahmen zu halten wurden zunächst Nebenquartale eingeschoben. Dann erfolgte der Ausgleich in der Weise, daß es alle 5-6 Jahre ein Quartal mit einer Woche mehr gab. Je nach Hoheitsgebiet wurde das auch noch unterschiedlich gehandhabt. Welcher Kalenderwoche die Nr.1 Crucis 1853 entspricht ist also nicht so einfach zu sagen.

Als Zugabe hier noch 2 Photos aus der Tierwelt, die ich bei meinen Besuchen in der Gegend aufnehmen konnte:

4 Luchse auf den Dietrichsberger Hangweg 144 Kraniche über dem Langetal
4 Luchse spazieren auf dem neuen Dietrichsberger Hangweg

144 Kraniche überfliegen das Langetal

nützliche Links:

Zum Bergarchiv in Clausthal geht es hier: http://www.lbeg.niedersachsen.de/master/C38221189_N34465638_L20_D0_I31802357.html
Ein Teil der dortigen Akten kann online gefunden (nicht angesehen) werden: http://aidaonline.niedersachsen.de/
1773 bis 1858 erschien die Enzyklopädie von Johann Georg Krünitz in 242 Bänden. Diese Quelle kann in einem von der DFG geförderten Digitalisierungsprojekt angezapft werden: http://www.kruenitz1.uni-trier.de/
Zum Blättern in der Preußischen Landesaufnahme von 1877 bis 1912: http://www.niedersachsennavigator.niedersachsen.de/nn/demo_pl/

nützliche Literatur:

(1) Wilhelm Schnell
Der Altenauer Bergbaubezirk; Gangverhältnisse und Wirtschaftsgeschichte
Schriften der Wirtschaftswissenschaftlichen Gesellschaft zum Studium Niedersachsens e. V., Neue Folge Band 46
Walter Dorn Verlag, Bremen-Horn 1954
Wilhelm Schnell zitiert aus der Berg- und Forstamtsakte mit der Bestellnummer BaCl Hann. 84a Nr. 09520, die ich mir im Original angesehen habe.

(2) Wilfried Ließmann
Historischer Bergbau im Harz; Schriften des Mineralogischen Museums der Universität Hamburg, Band 1
2. Auflage;  Springer Verlag, Berlin 1997
ISBN 3-540-62930-0
Das Buch nennt sich "Kurzführer", es werden neben dem Oberharzer Bergbaurevier auch die Reviere im Süd- und Unterharz recht ordentlich behandelt.

(3) Heinrich Morich, überarbeitet und erweitert von Herbert Dennert
Kleine Chronik der Oberharzer Bergstädte bis zur Einstellung des Erzbergbaus
5. Auflage; GDMB-Informationsgesellschaft mbH, Clausthal 1993
ISBN 3-9801786-2-5
Bei der geschichtlichen Entwicklung werden auch solche Dinge wie die Nutzung des Waldes, Auswanderungen, ... behandelt.

(4) Herbert Sperling, Dieter Stoppel; mit Beiträgen von Günter Berthold und Herbert Dennert
Die Blei-Zink-Erzgänge des Oberharzes (in 5 Lieferungen) Lieferung 3
Beschreibung der Oberharzer Erzgänge (einschließlich der Neuaufschlüsse im Erzbergwerk Grund seit Erscheinen der Lieferung 2)
Geologisches Jahrbuch Reihe D, Heft 34
E. Schweizerbart´sche Verlagsbuchhandlung Stuttgart 1979
ISSN 0540-679 X
Hierin wird die "Grube Prinz-Adolph-Friedrich" in die erste Hälfte des 18. Jahrhunderts gelegt. Desweiteren wird hier von einem 15 m tiefen Blindschacht von der Sohle des oberen Stollens berichtet. Davon steht in der o. g. Archiv-Akte nichts ...

(5) Herbert Sperling, Dieter Stoppel; mit Beiträgen von Herbert Dennert und Karl-Christof Tiemann
Die Blei-Zink-Erzgänge des Oberharzes (in 5 Lieferungen) Lieferung 4
Gangkarte des Oberharzes mit Erläuterungen
Geologisches Jahrbuch Reihe D, Heft 46
E. Schweizerbart´sche Verlagsbuchhandlung Stuttgart 1981
ISSN 0540-679 X
Die Präzision der beiliegenden Gangkarte läßt manches mal zu wünschen übrig, der topographische Hintergrund ist jedoch weit besser, als das, was die LGN (Landesvermessung und Geobasisinformation Niedersachsen) aktuell im Maßstab 1:25000 als "modernes zeitgemäßes Kartenwerk" anbietet. Wenn es modern ist, verbreiterte Strichstärken und vergrößerte Zwischenräume zu verwenden (was ja nichts anderes bedeutet, als Informationen wie z. B. Forstabteilungsnummern wegzulassen), dann bin ich gerne altmodisch. Dafür können bei der LGN auch Nachdrucke alter Karten, wie die Erstausgabe der TK25 (preußische Landesaufnahme), bestellt werden.

Die "General Gang Charte des nordwestlichen Harzgebirges" von Markscheider Eduard Borchers (* 25.12.1815 in Wulften † 23.03.1902 in Goslar) aus dem Jahr 1865 gibt einen sehr schönen Überblick. Ein Ausschnitt davon ist in dem Buch von Wilhelm Schnell über den Altenauer Bergbaubezirk enthalten.

Zum Schluß wünsche ich mir und den nachkommenden Generationen, daß nicht irgendeine übereifrige Obrigkeit den oberen Stollen zumauern oder vergittern läßt.

Diese Seite gibt es auch als Druckversion.

Glück Auf!


Zuletzt bearbeitet am 31. Dezember 2014 Startseite © Christian Becker